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Was passiert mit der Praxis, wenn der Arzt stirbt?

Über den Tod spricht man nicht gerne, schon gar nicht über den Eigenen. Trotzdem sollte sich gerade der niedergelassene Arzt mit der Frage auseinandersetzen, was passiert, wenn er nicht mehr am Leben ist.

Mit dem Erbfall geht die Erbschaft „als Ganzes“ auf die Erben über, § 1922 BGB. Dies gilt auch für die Praxis. In der Regel können die Erben die Praxis aus subjektiven Gründen (fehlende Approbation) nicht fortführen. Liegt der Praxisbetrieb jedoch längere Zeit still, führt dies häufig zu einem erheblicher Wertverlust.

Handelt es bei dem Verstorbenen noch dazu um einen Vertragsarzt, kann die Praxis lediglich innerhalb eines sog. Gnadenquartals durch einen Praxisvertreter fortgeführt werden. Findet sich in dieser Zeit kein geeigneter Käufer oder wird das Nachbesetzungsverfahren nicht rechtzeitig eingeleitet, droht der Verlust des vertragsärztlichen Vermögensanteils.

Auch das Risiko, dass es bei mehreren Erben sehr schnell zu einem Streit über die Verwertung der Praxis kommen kann, sollte nicht unterschätzt werden. Indem der Erblasser die Praxis schon zu Lebzeiten einer bestimmten Person zuordnet, kann er Auseinandersetzungen unter den Erben verhindern.

Weiterhin besteht die Möglichkeit einen Testamentvollstrecker mit der Verwaltung des Erbes zu betrauen. Handelt es sich hierbei um eine fachkundige Person, besteht keine Gefahr, dass bei dem Verkauf der Praxis Fehler gemacht und ein unangemessener Verkaufspreis erzielt wird. Da der Testamentvollstrecker dem Nachlassgericht zur Rechenschaft verpflichtet ist, ist zudem gewährleistet, dass der Wille des Erblassers eingehalten wird.

Ist der Praxisinhaber Gesellschafter einer Gemeinschaftspraxis, sieht § 727 I BGB vor, dass die Gesellschaft mit dem Tod eines Gesellschafters aufgelöst wird. Dies kann zu erheblichen Aufwendungen und Verpflichtungen der Erben führen. Zum einen müssen sich die Erben darum kümmern, den Gesellschaftsanteil des Erblassers zu verkaufen. Zum anderen geht bei einem Eintritt der Erben in die Gesellschafterstellung die Haftungsverpflichtung des Erblassers in vollem Umfang auf sie über.

Um diese Probleme zu vermeiden, ist es dringend notwendig, eine gesellschaftsvertragliche Regelung zu treffen. Diese sollte vorsehen, dass die Gesellschaft von den übrigen Gesellschaftern fortgesetzt wird, der Geschäftsanteil des Verstorbenen von ihnen übernommen wird und die Erben im Gegenzug eine angemessene Abfindung erhalten.

Fazit: Durch eine testamentarische Regelung oder -im Fall der Gemeinschaftspraxis- einer gesellschaftsvertraglichen Vereinbarung erleichtert der Erblasser seinen Angehörigen die Abwicklung des Nachlasses. Zudem stellt er sicher, dass die von ihm aufgebaute Praxis in seinem Sinn verwertet wird.

 Autor: RAin Anna Brix, www.medizinanwaelte.de

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RA Pätzold

Autor: RA Pätzold

Jens Pätzold ist Rechtsanwalt, Fachanwalt für Medizinrecht und als Healthcare-Experte spezialisiert auf die Beratung medizinischer Leistungserbringer. Seit 2002 betreut er bundesweit (Zahn-)Arztpraxen bei der strategischen Optimierung und hat dabei zahlreichen Praxen in Deutschland mit seinem strategischen und rechtlichen Fachwissen zu einem weit überdurchschnittlichen Wachstum und Ertrag verholfen. Weitere Beratungsschwerpunkte sind das Compliance Management im Gesundheitswesen sowie die Beratung und Vertretung von Healthcare-Unternehmen (z.B. Medizinprodukte- und Medizingerätehersteller, Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln oder Kosmetika).

2 Kommentare

  1. Tja, das sind alles Fragen, die zwar sehr wichtig sind, man aber sich darüber keine Gedanken macht. Ich dachte immer, wenn ein Arzt aufhört, steht gleich ein neuer in den Startlöchern und übernimmt die Praxis. So einfach scheint das aber doch nicht zu sein…

    Ingo

  2. RA Pätzold

    Das ist tatsächlich nicht mehr so einfach. Das mögen auch folgende Zahlen verdeutlichen:

    Ende des Jahres 2004 gab es in Deutschland 24.000 niedergelassene Ärzte über 60 Jahre. Es also absehbar, dass für deren Praxen in Kürze Nachfolger zur Verfügung stehen sollten.

    Demgegenüber stehen aber nur ca. 50.000 Ärzte unter 35 Jahren. Davon sind lediglich 43% ambulant tätig, so dass nur 21.000 potentielle Käufer zur Verfügung stehen
    Damit sind schon jetzt sind rechnerisch 12,5 % der Praxen unverkäuflich.

    Es ist also bei Weitem nicht mehr so einfach, dass für jeden ausscheidenden Arzt ein Nachfolger „in den Startlöchern“ steht. Wer darauf nicht vorbereitet ist und vor allem seine Praxis darauf nicht vorbereitet, kann seine Praxis oft nicht mehr – oder zumindest nicht zum erwarteten Preis – verkaufen.

Wir freuen uns über Ihr Feedback und Ihre Anregungen