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Videosprechstunde geht an den Start

Die Videosprechstunde geht ab dem 01. April 2017 an den Start. KBV und GKV-Spitzenverband hatten bereits im Dezember 2016 eine Vereinbarung über telemedizinische Leistungen in der vertragsärztlichen Versorgung getroffen (Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag-Ärzte). Daraus ergeben sich die Voraussetzung, um die Videosprechstunde anbieten zu können. Auf Grundlage dieser Vereinbarung haben sich KBV und GKV-Spitzenverband im Bewertungsausschuss nun auch auf eine Vergütungsregelung geeinigt und den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) entsprechend ergänzt.

Indikationen der Videosprechstunde

Durch die Videosprechstunde sollen Verlaufskontrollen von bekannten Patienten gefördert werden. Damit soll eine persönliche Vorstellung in der Praxis ersetzt werden. Nach Auffassung des Bewertungsausschusses sind bisher nur folgende Indikationen für eine Videosprechstunde geeignet:
Visuelle Verlaufskontrollen von Operationswunden, Bewegungseinschränkungen und – störungen des Stütz- und Bewegungsapparates
Kontrolle von Dermatosen, einschließlich der diesbezüglichen Beratung
Beurteilung der Stimme, des Sprechens oder der Sprache

Die Videosprechstunde richtet sich damit an Hausärzte, Kinder- und Jugendärzte sowie unter anderem Haut- und Augenärzte, Chirurgen und Orthopäden.

Neu: GOP 01450 und GOP 01439

Neu sind die Gebührenordnungspositionen (GOP) 01450 und 01439. Die GOP 01450 ist ein Technik- und Förderungszuschlag für die Videosprechstunde. Diese beträgt € 4,21 (Bewertung: 40 Punkte) je Arzt-Patienten-Kontakt und für bis zu 50 Videosprechstunden pro Arzt im Quartal. Die Ärzte erhalten somit bis zu € 800,00 pro Jahr. Damit sollen die Kosten, die durch die Nutzung eines Videodiensteanbieters anfallen, abgedeckt werden. Diese Position ist jedoch nur abrechnungsfähig, wenn es sich bei der Verlaufskontrolle um eine Folgebegutachtung handelt. Der Patient muss in demselben Quartal zuvor wegen der Beschwerden in der Praxis gewesen sein.

Über die GOP 01439 kann die Betreuung eines Patienten im Rahmen der Videosprechstunde abgerechnet werden. Diese Position, die einmal im Behandlungsfall abrechnungsfähig ist, ist mit € 9,27 (Bewertung: 88 Punkte) bewertet. Eine Abrechnung dieser GOP ist jedoch nur möglich, wenn keine Versicherten- bzw. Grundpauschale im Quartal anfällt, d.h. der Arzt-Patienten-Kontakt ausschließlich über die Videosprechstunde erfolgt. Ansonsten ist die Videosprechstunde Teil der Versicherten- bzw. Grundpauschale und nicht gesondert abrechnungsfähig. Auch muss der Patient in den zwei Quartalen zuvor jeweils mindestens einmal persönlich in der Praxis vorstellig geworden sein und die Verlaufskontrolle durch dieselbe Praxis erfolgen wie die Erstbegutachtung.

Fernbehandlungsverbot

Die Vorgabe, dass ein Patient dem Arzt durch Erscheinen in der Praxis persönlich bekannt sein muss und Verlaufskontrollen durch dieselbe Praxis erfolgen müssen, ergibt sich aus der Regelung des § 7 Abs. 4 Musterberufsordnung-Ärzte (MBO-Ä). Die umgangssprachlich oftmals als sog. Fernbehandlungsverbot bezeichnete Regelung schreibt vor, dass eine individuelle ärztliche Behandlung, insbesondere Beratung, nicht ausschließlich über Print- und Kommunikationsmedien durchgeführt werden darf. Auch bei telemedizinischen Verfahren ist nach § 7 Abs. 4 MBO-Ä zu gewährleisten, dass eine Ärztin oder ein Arzt seine Patienten unmittelbar behandelt. Die Ärzte sollen sich ein unmittelbares Bild aufgrund eigener Wahrnehmung machen können. Die Behandlungsqualität und Patientensicherheit soll dadurch gewährleistet bleiben.

Fazit

Ein erster konkreter Schritt in Richtung telemedizinischer Leistungen im Arzt-Patienten-Verhältnis ist getan. Das Leistungsspektrum scheint derzeit noch etwas begrenzt. Allerdings ist vorgesehen, dieses zu erweitern. Der Bewertungsausschuss wird anhand der Abrechnungsdaten in den kommenden Jahren auch die Entwicklung der GOP 01439 und 01450 prüfen. Hieraus werden sich mit Sicherheit wertvolle Erkenntnisse ergeben, die zu einer Weiterentwicklung der Telemedizin führen wird. Jetzt liegt es erst einmal an den angesprochenen Fachgruppen, die Videosprechstunde für sich zu entdecken und in ihren Praxisalltag einzubeziehen.

Jennifer Jessie

Autor: Jennifer Jessie

Frau Rechtsanwältin Jessie hat sich, wie alle Anwälte dieser Kanzlei, dem Medizinrecht und der rechtlichen Beratung der Akteure im Gesundheitswesen verschrieben. Bereits während ihrer Ausbildung war klar, dass sie für dieses spezielle Rechtsgebiet brennt. In der Kanzlei bearbeitet sie die gerichtlichen und außergerichtlichen Mandate im Bereich Urheber- und Wettbewerbsrecht, Datenschutzrecht und der Korruption im Gesundheitswesen. Darüber hinaus begleitet sie die berufliche Tätigkeit der jeweiligen Leistungserbringer von der Approbation über die Zulassung bis zum Verkauf der Praxis.

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