Service am Patienten oder Berufsrechtsverstoss? Kooperation zwischen Ärzten und Hilfsmittelerbringern

Service am Patienten oder Berufsrechtsverstoss? Kooperation zwischen Ärzten und Hilfsmittelerbringern

In seinem Urteil vom 16.06.2016 (AZ: I ZR 46/15) hat der Bundesgerichtshof (BGH) sich mit der Frage befasst, ob die Nutzung eines Raumes in einer Arztpraxis durch einen Gewerbebetrieb einen Nebenbetrieb im Sinne von § 3 Abs. 1 Handwerksordnung (HwO) darstellt. Darüber hinaus urteilte er, ob entsprechende Beschilderungen des Handwerksbetriebes in der Arztpraxis nach der Berufsordnung für Ärzte erlaubt sind. Die Antwort lautete in beiden Fällen: Nein. Insbesondere die ärztliche Berufsordnung verbietet solche Kooperationen. Weiterlesen

Bahr erwägt angeblich Verschärfung des Berufsrechts

Bestechliche Ärzte sollen  künftig härter sanktioniert werden. Dies wurde von verschiedenen Politkern und Kassenvertretern in den vergangenen Tagen zum Teil vehement gefordert.

Nunmehr soll Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) tatsächlich eine Verschärfung des ärztlichen Berufsrechts und des Sozialrechts planen. Dies berichtet zumindest die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (05.01.2013).

Dass Herr Bahr das Sozialrecht ändern möchte ist nachvollziehbar. Das Berufsrecht jedoch ist Ländersache und liegt damit gar nicht im Zuständigkeitsbereich des Bundesgesundheitsministers.

Hintergrund dieser Diskussion ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Sommer 2012, in der das Gericht entschied, dass sich Kassenärzte, die von einem Pharma-Unternehmen Vorteile als Gegenleistung für die Verordnung von Arzneimitteln dieses Unternehmens entgegennehmen,  nicht wegen Bestechlichkeit nach § 332 StGB strafbar machen.

Die Politik reagierte wie stets bei solcher Gelegenheit: Mit dem reflexhaften Ruf nach neuen und schärferen Gesetzen. 

Zwischenzeitlich haben die Kassen sogar einen Vorschlag für eine mögliche neue Strafvorschrift formuliert. In einem §  308 SGB V sollen Vertragsärzten demnach bis zu drei Jahre Haft drohen, wenn sie bestechlich sind oder einen anderen Leistungserbringer bestochen haben. Konkret schlugen die Kassen als ersten Absatz vor: Weiterlesen

Newsletter für Kollegen berufsrechtlich nicht zu beanstanden – Zuweisermarketing ohne Konsequenzen möglich

Wer bei der Versendung von Newslettern an Kollegen die berufsrechtlichen Vorschriften einhält, muss sich vor Konsequenzen nicht fürchten. Dies hat das Landgericht Berlin in seinem Urteil vom 19.04.2005 (Az.: 15 O 673/04) klar gestellt, wonach die Versendung rechtlich zulässig ist, wenn der Newsletter sachgerecht und angemessen ist und ein reißerischer und marktschreierischer Ton unterlassen wird. Ingesamt ist ein Wandel in der Rechtssprechung zum Werberecht festzustellen, der das ehemals bestehende Werbeverbot in ein Werberecht umgewandelt hat.

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Praxislabor in Z-MVZ-GmbH: Nichts spricht dagegen!

Praxislabor in Z-MVZ-GmbH: Nichts spricht dagegen!

Die Etablierung zahnärztlicher MVZ (Z-MVZ) wird orchestriert von etwas randständigen Nebenscharmützeln. Zum einen geht es dabei um die Frage der Anzahl der zulässigen Vorbereitungsassistenten, zum anderen um die Frage der Zulässigkeit eines Praxislabors. 

Aufgekommen ist diese Frage im Jahr 2018 dadurch, dass die Kassenzahnärztliche Vereinigung Nordrhein in einem Brief an Z-MVZ, die in der Rechtsform der GmbH organisiert sind, angekündigt hat, die Erstattung von Praxislaborleistungen für unzulässig zu halten und diese nur noch so lange zu erstatten, bis ein – offenbar von ihr angestrengtes – Gerichtsverfahren eine Klärung erbracht hätte. Ebenso wird die Unzulässigkeit der Erstattung auch von Zulassungsausschüssen im Rahmen des Zulassungsverfahrens von MVZ-GmbHs bereits im Vorfeld postalisch mitgeteilt. Ein entsprechendes Gerichtsverfahren ist dem Verfasser jedoch zur Zeit nicht bekannt. Ebenso ist dem Verfasser auch nach Gesprächen keine einzige Krankenkasse bekannt, die ein Problem mit der Erstattung von Praxislaborkosten hat.

Vereinzelte Stimme für Unzulässigkeit

In der juristischen Diskussion hat eine solche Sichtweise in der letzten Zeit vereinzelt Zustimmung erfahren (Niggehoff, in: Sodan, Handbuch des Krankenversicherungsrechts, § 18, Rn. 113; derselbe, in: Ratzel u. a., Festschrift 20 Jahre Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht im DAV, S. 294). Die Argumente seien, dass die berufsrechtliche Erlaubnis des § 11 MBO-Z auf MVZ mangels Anwendung der Berufsordnung nicht durchschlage, eine GmbH gewerblich tätig sei und die dort angestellten Zahnärzte keine „eigenen“ Patienten hätte, für die sie Laborleistungen erbrächten, da er Behandlungsvertrag mit der GmbH geschlossen werde.

Herrschende Meinung: Praxislaborleistungen können in Z-MVZ-GmbH erbracht werden

Diese Argumentation überzeugt dogmatisch nicht und wird von der herrschenden Meinung abgelehnt (Jahn, in: Halbe/Schirmer, Handbuch Kooperationen im Gesundheitswesen, A 1800, Rn. 95 ff.; Frigger, in: Orlowski/Remmert, GKV-Kommentar SGB V, § 88 SGB V, Rn. 18; Reimer, Laborleistungen von Zahnarzt-MVZ werden in Frage gestellt – Mitteilung des zukünftigen Abrechnungsausschlusses durch die KZV Nordrhein (www.ppp-rae.de; nur online verfügbar), Bischoff, DZW 12/2017, S. 19). Dabei sind folgende Gesichtspunkt entscheidend:

–         Auch Zahnärzte in Z-MVZ sind Zahnärzte. Daher sind sie grundsätzlich dafür qualifiziert, alle zahnärztlichen Leistungen zu erbringen. Die entsprechenden Qualifikationen haben sie ihm Studium erlernt und wurden im Rahmen der zahnärztlichen Examina abgeprüft (vgl. §§ 28 Abs. 5, 50 ZÄPrO) .

–         Die Berufsordnung ist keine Erlaubnisvorschrift für Praxislabore, sondern wirkt nur deklaratorisch. Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG, Urt. v. 11. 05.1979, Az.: 5 C 16/79) hielt Praxislabore schon zu einem Zeitpunkt für zulässig, als noch nicht von einer Berechtigung die Rede war, sondern nur die räumlichen Bedingungen beschrieben wurden (hierzu Jahn, a. a. O.). Die Herstellung von Zahnersatz in Praxislaboren ist zudem älter als das Berufsbild der Zahntechniker.

–         Im Gesetz (vgl. § 88 SGB V) findet sich keine Stütze dafür, dass ausschließlich Vertragszahnärzte, nicht jedoch Z-MVZ Laborleistungen erbringen dürfen. § 72 Abs. 1 S. 2 SGB V regelt jedoch, dass die auf Ärzte bezogenen Regeln u. a. auch für Zahnärzte und MVZ gelten. Eine Einschränkung, dass nur Vertragsärzte, jedoch keine MVZ GmbH die entsprechenden Leistungen erbringen dürfen, ist nicht ersichtlich. Die Gewerblichkeit der Leistung ist einer Z-MVZ GmbH immanent und kein Grund, dass diese keine zahnärztlichen Leistungen erbringen darf. 

–         Das SGB V spricht davon, dass die Versorgung – nicht die Verordnung – von Zahnersatz Teil der vertragszahnärztlichen Versorgung ist.

–         Ursprünglich war die Versorgung mit Zahnersatz sogar im Rahmen der zahnärztlichen Behandlung mitgeregelt. Die Regelungen über Zahnersatz sollten dann nur eine Klarstellung bieten (siehe hierzu auch: Sproll, in: Krauskopf, Soziale Krankenversicherung, Pflegeversicherung, § 73 SGB V, Rn. 32).

–         Die Herstellung des Zahnersatzes erfolgt für den Zahnarzt, nicht für den Patienten. Auch bei gewerblichen Dentallaboren kommt kein Vertrag zwischen Patient und Dentallabor zu Stande.

Schließlich sei noch ein praktisches Argument zu nennen: Auch im Bereich der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Nordrhein gibt es in den vier Universitätskliniken Düsseldorf, Aachen, Köln und Bonn nach Wissen des Verfassers zahntechnische Labore. Auch die Universitätskliniken sind als Klinik nicht Mitglied der Zahnärztekammer und unterliegen somit als Klinik nicht der Berufsordnung. Trotzdem werden hier von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Nordrhein (wettbewerbsrechtlich) unbeanstandet Laborleistungen erbracht. 

Im Übrigen stellt sich die Frage, inwieweit eine Kassenzahnärztliche Vereinigung bei von der Krankenkasse genehmigter Zahnersatzversorgung überhaupt eine Kürzungsbefugnis aufgrund des „falschen Labors“ hat.

Fazit

Es gibt kein tragfähiges Argument, die Leistungserbringung von Z-MVZ-GmbH-Praxislaboren in Frage zu stellen. Z-MVZ, denen hier Kürzungen oder Regresse angedroht werden, sind gut beraten, den Rechtsweg einzuschlagen.

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung über Whatsapp & Co.

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung über Whatsapp & Co.

Im Kern geht um die Möglichkeit der Behandlung unter ausschließlicher Nutzung von Telekommunikationsmitteln (Stichwort: Fernbehandlung) ohne Patientenkontakt. Der Wendepunkt war hier Mai 2018. Denn dort hat der Deutsche Ärztetag in Erfurt die Muster-Berufsordnung für Ärzte (§ 7 Abs. 4 MBO-Ä) neugefasst und die Möglichkeit einer medizinischen Fernbehandlung eröffnet; wir berichteten hier.

In Zuge dessen sprießen viele verschiedene Fernbehandlungskonzepte aus dem Boden. In der aktuellen Diskussion stößt man häufig auf die rein digitale Ausstellung (z.B. über Whatsapp) von AU-Bescheinigungen ohne persönlichen Arztkontakt.

Sprechen praktische Gründe gegen eine solche Online-AU? Eigentlich nein. Was kann es schöneres geben, als im Falle eines grippalen Infektes mit hohem Fieber das Bett nicht verlassen zu müssen? Eigentlich nichts. Eigentlich, weil viele Fragen ungeklärt sind.

Online AU-Bescheinigungen aus Patientensicht

Für den Patienten ist die Erlangung einer AU-Bescheinigung über eine App mit wenig Aufwand verbunden und zeitsparend. Sofern die AU über Whatsapp versendet wird, stellt sich für Patienten jedoch immer wieder das gleiches Dilemma:

Der Anbieter Whatsapp spricht zwar von einer Peer-to-Peer Verschlüsselung, welche WhatsApp auch tatsächlich hat. Man könnte also meinen, dass die Nutzung datenschutzkonform verläuft. Allerdings ist es so, dass die über Whatsapp versandte AU-Bescheinigung freilich über die amerikanischen Whatsapp-Server läuft. Was dort geschieht und wer die Daten theoretisch (oder praktisch) auslesen könnte, weiß niemand.

Solange dies dem Patienten bewusst ist, er darüber aufgeklärt wird und er sich in Kenntnis dessen für eine AU-Bescheinigung über Whatsapp entscheidet, ist (aus Sicht des Patienten) alles in bester Ordnung. Ein Haken bleibt: Ob der jeweilige Arbeitgeber oder die Krankenversicherer die Online-AU ohne weiteres akzeptieren, bleibt abzuwarten. Das Risiko trägt also erst einmal der Patient.

Aus der Sicht des Arztes ist die jeweilige regionale Berufsordnung entscheidend

Ob die Ausstellung von AU-Bescheinigungen über Whatsapp Konsequenzen für den Arzt hat, kommt u.a. darauf an, in welchem Bundesland dieser tätig ist.

Befindet sich der Arzt beispielsweise in Schleswig-Holstein, dem Bundesland, welches § 7 Abs. 4 MBO-Ä auf Landesebene sogar noch großzügiger gestaltet hat (dort wird die Möglichkeit einer Ferndiagnose nicht nur nicht auf den Einzelfall beschränkt, sondern der Arzt muss dazu auch nicht gesondert über die Nutzung des Mediums aufklären), wäre die Online-AU berufsrechtlich als im Grunde unbedenklich anzusehen.

Das Landgericht Darmstadt (NJW 1991, 757 (759)) hat einmal entschieden, dass ein Arzt „eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nur dann ausstellen darf, wenn er sich mit der notwendigen Sorgfalt und in nachvollziehbarer, vertretbarer Weise seine ärztliche Überzeugung von dem Vorliegen der Voraussetzungen der Arbeitsunfähigkeit verschafft hat“.

Solange der Arzt auch dies bei der Online-Ausstellung einer AU (z.B. Videobehandlung) beachtet, spricht auch insofern erst einmal nichts dagegen.

Aus Sicht des App-Entwicklers

Anders sieht dies aus Sicht des App-Entwicklers aus. Bei der Nutzung von Whatsapp stellt sich bereits das Problem, dass viele Stimmen (mit Recht!) gegen eine Nutzung von Whatsapp im geschäftlichen Verkehr plädieren. Durch den Datenschutz in Niedersachsen wird beispielsweise explizit von der Whatsapp Nutzung abgeraten und gewarnt. Eine rechtssichere Lösung ist Whatsapp daher nicht.

Der App-Entwickler und/ oder das medizinische Start Up Unternehmen sind daher gut beraten, die Nutzung über andere verschlüsselte Dienste oder eigenständige Server zu ermöglichen.

Fazit

Der Digitalisierungsfortschritt wird die medizinische Versorgung der Patienten langfristig vereinfachen und möglicherweise auch verbessern. Die rechtlichen Regelungen werden dem aktuellen Stand der Technik nach und nach angepasst, wenngleich freilich immer noch eine Vielzahl von Regulierungen die Gesundheitsbranche beherrschen. Um in der Gesundheitsbranche langfristig Fuß zu fassen und erfolgreich zu sein, ist es demnach erforderlich, die rechtlichen Rahmenbedingungen frühzeitig zu kennen.

Werbung im Internet & auf Social Media

Werbung im Internet & auf Social Media

Ein Leitfaden zum „richtigen“ Posten auf der Praxiswebseite, Facebook, Twitter & Co.

Social Media ist überall; das Marktpotenzial riesig. Und: Ein Leben ohne Social Media ist nahezu kaum vorstellbar. Binnen Sekunden interagieren mehrere Millionen User und damit potentielle Patienten miteinander oder tauschen Informationen untereinander aus. Mit etwa 3,77 Milliarden Internet-Nutzern sind inzwischen 50 % der Weltbevölkerung online. In Deutschland nutzen etwa 89 % das Internet. Der Anteil der beliebtesten Plattformen/Apps in Social Media sind YouTube, Facebook und Whatsapp; Dienste wie Instagram und Twitter folgen dahinter.

Daher ist es nur folgerichtig, dass sich – neben den Bereichen Lifestyle, Mode und healthy living – auch Zahnärzte im Internet öffentlich platzieren, um auf sich aufmerksam zu machen. Denn: 65 % der Patienten finden ihren Arzt bereits über das Internet.

Mit einer sich an den rechtlichen Rahmenbedingungen orientierenden Marketingstrategie werden Social Media Kanäle dabei zur perfekten Werbeplattform.

Um ein grundlegendes Verständnis zu schaffen, möchten wir dem dynamischen Zahnarzt im Folgenden einen Leitfaden mit den wichtigsten, nicht abschließenden Hinweisen für ein richtiges Posten präsentieren.

1. Name der Zahnarztpraxis

Bei der Erstellung eines Profils lauert bereits die erste juristische Falle, denn Namen genießen nach § 12 BGB Schutz. Sei es bei der Erstellung einer Betreiberseite auf Facebook oder eines Accounts auf Instagram oder Twitter; die Zahnarztpraxis benötigt einen Namen und dieser kann auf Social Media jeweils nur einmal vergeben werden. Zwar liegt nach der Rechtsprechung des BGH (Urteil vom 13.03.2008 – Az.: I ZR 151/05) in der reinen Registrierung eines Usernamens noch keine Markenverletzung vor. Doch sollte der werbende Zahnarzt – da er im geschäftlichen Verkehr tätig ist – vorher überprüfen, ob der gewünschte Name bereits markenrechtlich geschützt ist. Die Möglichkeit einer eigenen Recherche bietet hier die Datenbank (DPMAregister) des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA) unter der Adresse: www.dpma.de/marken/markenrecherche/index.html.

2. Bild der Zahnarztpraxis / Upload von Bildern

Bei der Auswahl des Bildes der Zahnarztpraxis, also dem sog. Avatar, ist darauf zu achten, nicht gegen fremde Urheberrechte zu verstoßen. Gleiches gilt bei Bildern, auf denen beispielsweise Praxispersonal abgebildet ist. Ohne die Zustimmung des jeweiligen Urhebers dürfen diese nicht verwendet werden. Dies gilt gleichermaßen bei sämtlichen auf Social Media hochgeladenen Bildern.

3. Zahnärztliche Schweigepflicht

Selbstverständlich ist, dass auch bei der Nutzung von Social Media stets die Schweigepflicht uneingeschränkt zu beachten ist. Die Identifizierung eines Patienten darf also nicht möglich sein. Im Zweifel ist daher die Einholung einer (schriftlichen) Einwilligungserklärung ratsam.

4. Scharfe Trennung des beruflichen und privaten Profils

Es ist unbedingt darauf zu achten, die privaten und beruflichen Profile bzw. Social Media Konten nicht miteinander zu verknüpfen. Auf Grund des besonderen Zahnarzt-Patientenverhältnisses sind sämtliche die Behandlung betreffenden Gesichtspunkte über das berufliche Profil abzuwickeln.

5. Gültiges Impressum

Das Betreiben einer Praxiswebseite ohne ein gültiges Impressum ist unzulässig und kann abgemahnt werden (vgl. beispielsweise die Urteile der Landgerichte Aschaffenbug vom 03.04.2012 – Az.: 2 HK O 14/12 und Düsseldorf vom 15.12.2010 – Az.: 12 O 312/10). Welche Informationen dem Impressum entnommen werden müssen, regelt § 5 Abs. 1 TMG.

Gleiches gilt für beruflich genutzte Profile auf Facebook, Instagram oder Twitter; auch auf diesen gilt eine Impressumspflicht. Zwecks Vollständigkeit sei hier noch erwähnt, dass private Profile freilich keiner Impressumspflicht unterliegen.

6. Datenschutzerklärung

Das gleiche Vorgehen ist ebenfalls bezüglich der Platzierung der Datenschutzerklärung zu raten. Wenngleich sich die Rechtsprechung aktuell darüber uneinig ist, ob DSGVO-Verstöße überhaupt abgemahnt werden können, sollte der Link zur Datenschutzerklärung in ähnlicher Art und Weise in das jeweilige zahnärztliche Profil eingepflegt werden. Denn: Unabhängig hiervon wachen die einzelnen Landesdatenschutzbehörden über die Einhaltung der Datenschutzregeln und können bei Verstößen Bußgelder verhängen.

Fazit

Eine erfolgreiche Praxisführung setzt immer auch ein erfolgreiches Marketingkonzept voraus, das die rechtlichen Rahmenbedingungen beachtet. Bereits jetzt nutzen viele erfolgreiche Praxen Social Media Plattformen, wie Facebook und/ oder Twitter, um sich öffentlich zu platzieren. Mit einer rechtlichen strategischen Beratung können dabei Abmahnungen und/ oder berufsrechtliche Verfahren vermieden werden. Wir helfen Ihnen gerne dabei, dem Markt einen Schritt voraus zu sein; kommen Sie einfach auf uns zu!

Werbung mit Vorher-Nachher-Bildern bei zahnärztlichem Bleaching zulässig?

Werbung mit Vorher-Nachher-Bildern bei zahnärztlichem Bleaching zulässig?

In der Praxis ist es häufig so, dass Vorher-Nachher-Bilder mit beispielsweise unzulässigen Pauschalpreisen kombiniert werden. Während unser Beitrag (https://medizinrecht-blog.de/berufsrecht/gutscheine-rabatte-und-pauschalpreise-fuer-pzr-bleaching-co/) Gutscheinen und Pauschalpreisen gewidmet war, soll es nun darum gehen, die Zulässigkeit von Vorher-Nachher-Bildern zu klären. Dies vor allem am Beispiel von Bleachingbehandlungen und isoliert von der Frage der Zulässigkeit von Gutscheinen, Rabatten und/oder Pauschalpreisen. Der Thematik liegen dabei folgende gesetzliche Regelungen zu Grunde:

Gemäß § 11 Abs. 1 S. 3 HWG darf für operative plastisch-chirurgische Eingriffe, soweit sich die Werbeaussage auf die Veränderung des menschlichen Körpers ohne medizinische Notwendigkeit bezieht, nicht mit der Wirkung einer solchen Behandlung durch vergleichende Darstellungen des Körperzustandes oder des Aussehens vor und nach dem Eingriff geworben werden.

§ 11 Abs. 1 Nr. 5 HWG sieht vor, dass außerhalb der Fachkreise (= allgemeine Publikumswerbung – Anmerkung des Verfassers) für Arzneimittel, Verfahren, Behandlungen, Gegenstände oder andere Mittel mit einer bildlichen Darstellung, die in missbräuchlicher, abstoßender oder irreführender Weise Veränderungen des menschlichen Körpers auf Grund von Krankheiten oder Schädigungen oder die Wirkung eines Arzneimittels im menschlichen Körper oder in Körperteilen verwendet, nicht geworben werden darf.

Vorher-Nachher-Bilder

Insofern gilt vereinfacht, für plastisch-chirurgische Eingriffe ohne eine medizinische Notwendigkeit, also z.B. bei rein kosmetischen Eingriffen: Eine Werbung mit Vorher-Nachher-Bildern ist unzulässig.

Für alle nicht plastisch-chirurgischen Eingriffe ohne eine medizinische Notwendigkeit: Eine Werbung mit Vorher-Nachher-Bildern ist zulässig, wenn diese nicht in missbräuchlicher, abstoßender oder irreführender Weise erfolgt. Bezogen auf die Bleachingbehandlungen, die i.d.R. nicht medizinisch indiziert sind, ist damit entscheidend, ob es sich beim Bleaching um einen plastisch-chirurgischen Eingriff handelt.

Eine Definition für einen plastisch-chirurgischen Eingriff sucht man im Gesetz vergeblich. Ein Blick in die Gesetzesbegründung verrät, dass hierunter klassische Schönheitsoperationen zu verstehen sein sollen und Bleachingbehandlungen somit nicht darunterfallen würde. Auch der Wortlaut spricht dafür, dass eine Werbung mit Vorher-Nachher-Bildern bei Bleachingbehandlungen durch Zahnärzte zulässig ist.

Im Ergebnis spricht damit einiges dafür, dass eine Werbung mit Vorher-Nachher-Bildern bei Bleachingbehandlungen grundsätzlich zulässig ist. Ungeachtet dessen sollte der Einsatz von Vorher-Nachher-Bildern marketingtechnisch gut überlegt sein. Denn eine gute Werbung zeichnet sich dadurch aus, dass dem Patienten ein Wohlfühlmoment und/oder eine Erlebniswelt vermittelt werden. Der Patient möchte keine unschön verfärbten Zähne in der Werbung sehen, sondern ein Wohlgefühl vermittelt bekommen. Insofern bieten sich Vorher-Nachher-Bilder sogar eher als sachliche Patienteninformation und weniger als Werbung an, was bei den rechtlichen Darstellungen häufig außer Acht gelassen wird.

Fazit

Selbstverständlich sollte jede Werbemaßnahme auf ihre rechtliche Zulässigkeit überprüft werden, um Abmahnungen, Bußgeldern oder gerichtlichen Verfahren vorzubeugen. Dieser Satz findet sich nahezu unter jedem Artikel, der sich im weitesten Sinne mit dem Werberecht beschäftigt. Eine juristische Prüfung sollte allerdings keinesfalls isoliert erfolgen, sondern daneben sowohl strategische Gesichtspunkte als auch aktuelle Gegebenheiten berücksichtigen.

Nur ein Beispiel:

Bei der Überprüfung von Werbemaßnahmen auf der Webseite ist z.B. darauf hinzuweisen, dass seit einiger Zeit mehr als die Hälfte der Internetnutzer mit mobilen Geräten surfen. Ist dann die Praxiswebseite nicht auf die mobile Version angepasst und auf dem Smartphone und/oder Tablet verschoben, verzerrt und nicht oder nur schwer lesbar, ist jede Werbemaßnahme nutzlos. Dies selbst dann, wenn sie bis in das letzte Detail mit hohem finanziellen Aufwand geprüft wurde.