Welche Bedeutung hat die Digitalisierung im Gesundheitsmarkt für Sie?

Welche Bedeutung hat die Digitalisierung im Gesundheitsmarkt für Sie?

Deutschland ist einer der internationalen Vorreiter der Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft. Denn der Gesetzgeber hat bereits 2015 eine   Digitalisierungsoffensive gestartet, die im internationalen Vergleich seinesgleichen sucht. Immerhin wurden mit der digitalen Gesundheitskarte und dem E-Health-Gesetz (EHG) zeitgleich alle drei Zukunftsfelder der Digitalisierung – eHealth, mHealth und Telemedizin erschlossen.

Das E-Health-Gesetz sieht vor, dass bis Mitte 2018 Arztpraxen und Krankenhäuser flächendeckend an eine Telematik-Infrastruktur angeschlossen sein sollen. Damit wachsen die beiden wichtigsten Märkte der vergangenen Jahre zusammen: Die Telekommunikation und die Gesundheitswirtschaft. Es liegt auf der Hand, das damit ein besonders spannender Markt neu entsteht, dass damit aber auch juristische Herausforderungen verbunden sind. Weiterlesen

Haben Patienten zukünftig Anspruch auf Gesundheits-Apps?

Haben Patienten zukünftig Anspruch auf Gesundheits-Apps?

Der Entwurf eines Gesetzes für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation (Digitale Versorgung-Gesetz – DVG) macht es möglich: Patienten haben einen gesetzlichen Anspruch auf digitale Gesundheitsanwendungen; Diabetes-Apps, Bluthochdruck-Apps & Co für jedermann? Nur fast.

DVG- Digitale Versorgung-Gesetz

In § 33a Abs. 1 SGB V soll nunmehr geregelt werden, dass GKV-Versicherte einen Anspruch auf solche Gesundheits-Apps haben, die als Medizinprodukte der Risikoklassen I oder IIa einzustufen sind (= niedrige Risikoklasse):

„Versicherte haben Anspruch auf Versorgung mit Medizinprodukten niedriger Risikoklasse, deren Hauptfunktion wesentlich auf digitalen Technologien beruht und die dazu bestimmt sind, bei den Versicherten oder in der Versorgung durch Leistungserbringer die Erkennung, Überwachung, Behandlung oder Linderung von Krankheiten oder die Erkennung, Behandlung, Linderung oder Kompensierung von Verletzungen oder Behinderungen zu unterstützen (digitale Gesundheitsanwendungen).“

Hierfür wird ein Verfahren beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) etabliert, mit dem über die Leistungserbringung in der Regelversorgung entschieden wird. Ganz im Zeichen des digitalen Fortschritts erfolgt dieses Verfahren soweit möglich digital.

Verzeichnis für Gesundheits-Apps

Es wird ein Verzeichnis (vgl. § 139a SGB V) erstellt, in dem diejenigen Apps gelistet sind, für die der GKV-Versicherte eine Erstattung erhält. In Absatz 1 der entsprechenden Norm heißt es weiter:

„Der Anspruch umfasst nur solche digitalen Gesundheitsanwendungen, die in das Verzeichnis nach § 139e aufgenommen wurden, nach Absatz 3 zugänglich gemacht sind und entweder nach Verordnung des behandelnden Arztes oder mit Zustimmung der Krankenkasse angewendet werden.“

§ 33a I SGB V

Gut beratenen Anbietern von Gesundheits-Apps wird bei diesem Verfahren nunmehr die Möglichkeit eröffnet, eine App binnen weniger Monate am GKV-Markt zu platzieren bzw. in die Liste aufnehmen zu lassen.

Keine Erstattung für Apps außerhalb des Verzeichnisses

Mit der Einführung des Verzeichnisses steht aber auch fest, dass für Gesundheits-Apps außerhalb dieses Verzeichnisses keinerlei Erstattungsfähigkeit gegeben ist. Des Verfahren bei dem BfArM sieht als Mindestvoraussetzung die Risikoklassifizierung von I oder IIa vor. Es führt also kein Weg an einer Evidenz vorbei. Gerade solchen Medizinprodukteherstellern, die ihre Gesundheits-Apps nicht als Medizinprodukt (der Risikoklasse I oder IIa) einstufen, wird der Zugang zum Kernbereich des deutschen Gesundheitssystems damit verwehrt.

Fazit

Die Erstattung für digitale Gesundheitsanwendungen kann nur begrüßt werden. Sie ist auch zwingend erforderlich, um den ohnehin schon im Vergleich zum internationalen Wettbewerb vorliegenden hiesigen Rückstand in Sachen Digitalisierung möglichst gering zu halten.

Entwickler von Gesundheits-Apps, die das klare Ziel verfolgen, sich langfristig am Markt zu etablieren, sind gut beraten, der Aufnahme der App in das Verzeichnis oberste Priorität beizumessen. Denn „Sieger erkennt man beim Start, Verlierer auch“.

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung über Whatsapp & Co.

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung über Whatsapp & Co.

Im Kern geht um die Möglichkeit der Behandlung unter ausschließlicher Nutzung von Telekommunikationsmitteln (Stichwort: Fernbehandlung) ohne Patientenkontakt. Der Wendepunkt war hier Mai 2018. Denn dort hat der Deutsche Ärztetag in Erfurt die Muster-Berufsordnung für Ärzte (§ 7 Abs. 4 MBO-Ä) neugefasst und die Möglichkeit einer medizinischen Fernbehandlung eröffnet; wir berichteten hier.

In Zuge dessen sprießen viele verschiedene Fernbehandlungskonzepte aus dem Boden. In der aktuellen Diskussion stößt man häufig auf die rein digitale Ausstellung (z.B. über Whatsapp) von AU-Bescheinigungen ohne persönlichen Arztkontakt.

Sprechen praktische Gründe gegen eine solche Online-AU? Eigentlich nein. Was kann es schöneres geben, als im Falle eines grippalen Infektes mit hohem Fieber das Bett nicht verlassen zu müssen? Eigentlich nichts. Eigentlich, weil viele Fragen ungeklärt sind.

Online AU-Bescheinigungen aus Patientensicht

Für den Patienten ist die Erlangung einer AU-Bescheinigung über eine App mit wenig Aufwand verbunden und zeitsparend. Sofern die AU über Whatsapp versendet wird, stellt sich für Patienten jedoch immer wieder das gleiches Dilemma:

Der Anbieter Whatsapp spricht zwar von einer Peer-to-Peer Verschlüsselung, welche WhatsApp auch tatsächlich hat. Man könnte also meinen, dass die Nutzung datenschutzkonform verläuft. Allerdings ist es so, dass die über Whatsapp versandte AU-Bescheinigung freilich über die amerikanischen Whatsapp-Server läuft. Was dort geschieht und wer die Daten theoretisch (oder praktisch) auslesen könnte, weiß niemand.

Solange dies dem Patienten bewusst ist, er darüber aufgeklärt wird und er sich in Kenntnis dessen für eine AU-Bescheinigung über Whatsapp entscheidet, ist (aus Sicht des Patienten) alles in bester Ordnung. Ein Haken bleibt: Ob der jeweilige Arbeitgeber oder die Krankenversicherer die Online-AU ohne weiteres akzeptieren, bleibt abzuwarten. Das Risiko trägt also erst einmal der Patient.

Aus der Sicht des Arztes ist die jeweilige regionale Berufsordnung entscheidend

Ob die Ausstellung von AU-Bescheinigungen über Whatsapp Konsequenzen für den Arzt hat, kommt u.a. darauf an, in welchem Bundesland dieser tätig ist.

Befindet sich der Arzt beispielsweise in Schleswig-Holstein, dem Bundesland, welches § 7 Abs. 4 MBO-Ä auf Landesebene sogar noch großzügiger gestaltet hat (dort wird die Möglichkeit einer Ferndiagnose nicht nur nicht auf den Einzelfall beschränkt, sondern der Arzt muss dazu auch nicht gesondert über die Nutzung des Mediums aufklären), wäre die Online-AU berufsrechtlich als im Grunde unbedenklich anzusehen.

Das Landgericht Darmstadt (NJW 1991, 757 (759)) hat einmal entschieden, dass ein Arzt „eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nur dann ausstellen darf, wenn er sich mit der notwendigen Sorgfalt und in nachvollziehbarer, vertretbarer Weise seine ärztliche Überzeugung von dem Vorliegen der Voraussetzungen der Arbeitsunfähigkeit verschafft hat“.

Solange der Arzt auch dies bei der Online-Ausstellung einer AU (z.B. Videobehandlung) beachtet, spricht auch insofern erst einmal nichts dagegen.

Aus Sicht des App-Entwicklers

Anders sieht dies aus Sicht des App-Entwicklers aus. Bei der Nutzung von Whatsapp stellt sich bereits das Problem, dass viele Stimmen (mit Recht!) gegen eine Nutzung von Whatsapp im geschäftlichen Verkehr plädieren. Durch den Datenschutz in Niedersachsen wird beispielsweise explizit von der Whatsapp Nutzung abgeraten und gewarnt. Eine rechtssichere Lösung ist Whatsapp daher nicht.

Der App-Entwickler und/ oder das medizinische Start Up Unternehmen sind daher gut beraten, die Nutzung über andere verschlüsselte Dienste oder eigenständige Server zu ermöglichen.

Fazit

Der Digitalisierungsfortschritt wird die medizinische Versorgung der Patienten langfristig vereinfachen und möglicherweise auch verbessern. Die rechtlichen Regelungen werden dem aktuellen Stand der Technik nach und nach angepasst, wenngleich freilich immer noch eine Vielzahl von Regulierungen die Gesundheitsbranche beherrschen. Um in der Gesundheitsbranche langfristig Fuß zu fassen und erfolgreich zu sein, ist es demnach erforderlich, die rechtlichen Rahmenbedingungen frühzeitig zu kennen.

Medizinanwälte @IDS 2019 Köln

Medizinanwälte @IDS 2019 Köln

Dieses Jahr ist es wieder soweit und die Internationale Dental-Schau IDS öffnet ihre Türen für die dentale Welt. Vom 12. bis 16.03.2019 gibt sich der weltweite Dentalmarkt wieder ein Stelldichein in Köln.

Internationale Dentalschau 2019

Die Internationale Dental-Schau in Köln ist weltweit die Leitmesse des Dental Business. Auch 2019 wird sie wieder zukunftsweisend Weichen stellen und Impulse geben, als erfolgreiche Präsentationsplattform und als Treffpunkt für alle Marktbeteiligten rund um die Zahnmedizin und Zahntechnik. Mit neuerlichem Rekordergebnis und ausgezeichneter Stimmung endete am 25. März 2017, die 37. Internationale Dental-Schau (IDS) nach fünf Tagen in Köln. Über 155.000 Fachbesucher aus 157 Ländern besuchten die Weltleitmesse der Dentalbranche. Wieder mal ein Rekordergebnis. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Zahlen 2019 sinken werden.

Im Fokus der IDS 2017 standen digitale Produktions- und Diagnoseverfahren, intelligente Vernetzungslösungen für Praxis und Labor, smarte Services für Zahnärzte und Zahntechniker sowie die weitere Verbesserung der Patientenversorgung und damit Mundgesundheit weltweit. Ein wichtiges Thema, das alle Branchen weltumspannend bewegt und auch auf der IDS 2019 deutlich spürbar sein wird, ist die „Digitalisierung“.

Aussteller sind Dienstleistungsanbieter, Verbände und Institutionen mit direktem Bezug zu dentalmedizinischen und -technischen Erzeugnissen und Einrichtungen. Interessant ist die Messe für den Dental-Fachhandel, Zahnärzte, Praxispersonal, Zahntechniker, Dental-Labors, Industrie, Dienstleister, Forschung und Entwicklung, Auszubildende und Studenten.

Wir sind dabei

Für uns stehen Kontaktpflege und intensive Gespräche mit Standesvertretern, unseren Mandanten und industriellen Kooperationspartnern im Mittelpunkt der Internationalen Dentalschau.

Auch wir besuchen natürlich die Internationale Dentalschau und sind die gesamte Woche vor Ort. Wenn Sie uns dort treffen möchten, schreiben Sie eine kurze Mail oder rufen Sie uns an, damit wir einen Termin vereinbaren können. Wir freuen uns, Sie in Köln zu treffen. Kontakt

Ist Ihr Online-Terminkalender in der (Zahn-)Arztpraxis rechtssicher?

Ist Ihr Online-Terminkalender in der (Zahn-)Arztpraxis rechtssicher?

Termine online zu vereinbaren ist für den Patienten unkompliziert und zeitsparend. Meist sind hierfür nur wenige Klicks auf dem Smartphone erforderlich.

Insofern sollte jeder (Zahn-)Arzt früher oder später über die Möglichkeit und die rechtssichere Umsetzung eines Online-Buchungssystems nachdenken. Tatsache ist, dass Online-Suchmaschinen neben der Empfehlung von Freunden und Familie die wichtigste Entscheidungsquelle für Patienten bei der (Zahn-)Arztsuche darstellen. Dies belegt die Wichtigkeit im Zeitalter der Digitalisierung Schritt zu halten.

Wie gestalte ich mein Online-Buchungssystem nun rechtssicher? Der geneigte Leser ahnt es – es dreht sich wieder (vor allem) um Frage des Datenschutzes.

Einwilligung des jeweiligen Patienten einholen

Wichtig ist, dass der Patient in die Weitergabe seiner personenbezogenen Daten einwilligen muss. Sofern sich der (Zahn-)Arzt also eines (Dritt-)Anbieters von Online-Buchungssystemen bedient und hierfür die personenbezogenen Daten des Patienten – wie beispielsweise Vorname, Nachname, Adresse, Telefonnummer etc. – an den Anbieter weitergibt, muss hierfür die Einwilligung des Patienten vorliegen.

Andernfalls müsste mit den Patienten ein Auftragsverarbeitungsvertrag geschlossen werden. Da dies aus Praktikabilitätsgründen abzulehnen ist, soll dies hier nicht weiter vertieft werden.

Einwilligung des Patienten an Online-Buchungssystem anpassen

Wichtig ist weiter, die Einwilligung je nach Ausgestaltung des Online-Buchungssystems anzupassen. Denn der Umfang der personenbezogenen Daten, die weitergegeben werden, variiert mitunter bei den einzelnen Anbietern. So verlangen z.B. einige die Angabe eines (kurzen) Behandlungsverlaufs.

Anonymisierter Online-Terminkalender

Schließlich soll erwähnt werden, dass im Online-Kalender selbstverständlich keine personenbezogenen Daten von anderen Patienten sichtbar sein dürfen. Aus der Erfahrung heraus kann hier gesagt werden, dass dies primär „praxisinterne“ Lösungen betrifft; solche, die also eigenständig programmiert worden sind. Der Patient, der die Terminbuchung online vornimmt, darf also keinen Einblick in die Termine von anderen Patienten haben. Auch wenn dies selbstverständlich erscheint, soll darauf hingewiesen werden.

Praxistipp

Es bietet sich an, die vorhandene Datenschutzerklärung um diese Weitergabe der personenbezogenen Daten sowie die Mitteilung über die Nutzung des Drittanbieters zu ergänzen. Bitte in diesem Zusammenhang auch daran denken, die Datenschutzerklärung auf der Praxiswebseite anzupassen.

Bei dem Erstkontakt in der Praxis sollte dem Patienten zusätzlich ein um diesen Passus ergänztes Informationsblatt zur Unterschrift ausgehändigt werden. Auch hier sind die vorhandenen Einwilligungsformulare zu ergänzen.

Gesundheits-Apps – Goldgruben der Zukunft?

Gesundheits-Apps – Goldgruben der Zukunft?

Gesundheits-Apps – Goldgruben der Zukunft? (Marketing + Recht – Teil 1/2) Gesundheits-Apps sind die Zukunft und werden aus unserem Leben nicht mehr verschwinden. Zumindest sind die Unternehmen dieser Meinung. Denn: Die Start-up Branche für Gesundheits-Apps explodiert. Dies belegt bereits ein Blick auf die Zahlen: Einzelne Start-up Unternehmen investieren nach Angaben des DGM Reports inzwischen bis zu siebenstellige Beträge in direkte Kundenwerbung (www.dgm-report.de).

Große Bandbreite von Gesundheits-Apps

Zu den Start-up Unternehmen gehören beispielswiese Ada Health (ein Chatbot für Symptome), Dipat (eine digitale Patientenverfügung), Selfapy (ein Online-Coaching) oder die Medikamenten-App Vimedi. Konkurrierend hierzu mischen auch big player, wie z.B. Apple oder die Allianz Versicherungs-AG mit. Die neue Apple Watch verfügt über einen EKG-Sensor nebst Apps, die auf Basis einer Pulskurvenmessung Vorhofflimmern erkennen soll; dies zunächst noch nicht in Europa. In den USA wurden diese Apps von der dortigen Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) bereits als Medizinprodukt zugelassen. Hinzu kommt, dass die Gesundheits-Apps mehr und mehr aufeinander abgestimmt werden; sei es durch die Verknüpfung von Tracking und Coaching Apps oder in Form der Implementierung von sog. Chatbots in ein vorhandenes Online-Sprechstundensystem.

Unterstützung in der Diagnostik

Zwar sollte beispielsweise die Apple Watch „nicht als Ersatz für einen Besuch beim Arzt verwendet werden“, doch kann sie definitiv helfen, relevante Herzrhythmusdaten aufzuzeichnen und einen betreuenden Arzt in der Diagnostik zu unterstützen (Prof. Dr. Thomas Deneke von der Herz- und Gefäß-Klinik Bad Neustadt).

E-Versorgungslösungen

Ferner kann durch gezielte App-Strukturen eine Welt der digitalen Nachsorge geschaffen werden, wie z.B. ein Therapeuten-Chat unmittelbar nach der Entlassung aus einer Klinik etc.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Um negative Publicity zu vermeiden und als Start-up der Gesundheitsbranche erfolgreich zu sein, ist die Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen unerlässlich. Diese können sich aus dem Medizinprodukterecht, dem Heilmittelwerberecht und dem omnipräsenten Datenschutzrecht ergeben. Im Vorfeld ist zu klären, ob es sich bei der App um ein Medizinprodukt handelt und daher einer CE-Kennzeichnung bedarf, was mit einem Konformitätsverfahren verbunden ist. Der (auch finanzielle) Umfang des Verfahrens hängt von der jeweiligen Risikoklasse des Medizinproduktes ab. Die Zweckbestimmung des Herstellers (Start-up) bestimmt dabei, ob es sich bei der App um ein Medizinprodukt handelt oder nicht. Nach der gesetzlichen Definition des § 3 MPG (Medizinproduktegesetz) liegt eine solche Zweckbestimmung dann vor, wenn die App der Erkennung, Verhütung, Überwachung, Behandlung oder Linderung von Krankheiten dient. Daneben gilt es die Regelungen des HWG und des Datenschutzes einzuhalten, was wir in Teil 2 unseres Beitrags näher erläutern werden.

Zwischenfazit

Die Start-Up Branche im Gesundheitswesen boomt, die Investitionen steigen. Dennoch verhält sich der Markt auf Grund der hohen Regularien traditionell bedingt zurückhaltend. Eine große Rolle spielen hier das richtige Marketing, der Zugang zu den Endkunden und die Kenntnisse der rechtlichen Rahmenbedingungen. Auch Bedarf es bei einigen (Zahn-)Ärzten gewisser Überzeugungsarbeit, denn eine „anfängliche“ Skepsis zur Digitalisierung ist definitiv vorhanden. Hier steckt enormes Potenzial. Wir helfen Ihnen als Medizinproduktehersteller gerne den richtigen Zugang zur dentalen/medizinischen Welt zu finden. Denn wir sprechen (Zahn-)Arzt.
Der Bayerische Ärztetag macht den Weg für Telemedizin frei

Der Bayerische Ärztetag macht den Weg für Telemedizin frei

Wir leben in einer digitalen Welt, einer Welt, die ohne Computer, Smartphone und Co. kaum noch vorstellbar ist. Die Digitalisierung ist allerorts und nicht aufzuhalten. Wenn es um Einkäufe des täglichen Lebens oder dem Bestellen von Essen geht, ist es heute ganz üblich, dies online zu erledigen. Immer mehr Gesundheitsapps sind schon im Einsatz und werden in Zukunft eine noch viel größere Rolle einnehmen. Ärzte sind verpflichtet ihre Praxis mit der Telematikinfrastruktur auszustatten. Doch sich von einem Arzt online behandeln zu lassen, war bislang undenkbar. Jetzt soll es grundlegende Erleichterungen für online Sprechstunden auch in Bayern geben. Vorreiter war bisher die Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Baden-Württemberg mit dem vom IT-Unternehmen Teleclinic entwickelten „DocDirekt“, das als Modellprojekt für Patienten in ganz Baden-Württemberg zugänglich ist.

Einsatz, wenn ärztlich vertretbar

Das Arzt- Patientengespräch per Videokonferenz – wird es künftig nun auch in Bayern geben. Um die Telemedizin dort zu ermöglichen, beschlossen die Delegierten des 77. Bayerische Ärztetag bei ihrer Versammlung eine Änderung der Berufsordnung. Ärzte können damit bei ihrer Beratung von Patienten „Kommunikationsmedien unterstützend einsetzen”. Wenn die Nase läuft, sich Hautausschläge zeigen oder die Glieder schmerzen, dann können sich Patienten aus Bayern den Weg in die Praxis sparen – und die Ärztin oder den Arzt per Videoanruf um ihre Diagnose bitten. Doch Einschränkungen bleiben, denn eine Fernbehandlung über Computer, Tablet oder Smartphone muss dabei „ärztlich vertretbar” sein und „die erforderliche ärztliche Sorgfalt” zulassen. Mit anderen Worten, für schwere Erkrankungen ist die online Sprechstunde nicht gedacht.

Überfüllte Wartezimmer werden entlastet

Vor allem Ärzte und Patienten auf dem Land sollen mit der Änderung des Berufsrechts entlastet werden. Den Patienten bleibt bei erleichteren Erkrankungen im Idealfall der Weg in die Praxis erspart. Weiter erhoffen sich die Delegierten mit Ihrem Beschluss überfüllte Ambulanzen und Wartezimmer zu entlasten.

Bedenken bleiben

Zeitgleich geht der bayrische Ärztetag davon aus, dass die Fernbehandlung den erhöhten Versorgungsbedarf, insbesondere auf dem Land und vor allem im hausärztlichen Bereich, nicht decken wird. Auch bei den niedergelassenen Fachärzten und in den Kliniken fehlten zunehmend Ärztinnen und Ärzte. Dabei könne es nicht sein, auf Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland zu setzen. Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer erklärt: „Zum einen stehen sie vor der Herausforderung von Gleichwertigkeits-, Fachsprachenund Kenntnisprüfungen, zum anderen entziehen wir sie der medizinischen Versorgung in ihren Heimatländern.“

Der bayrische Ärztetag forderte deshalb, die Zahl der Studienplätze für Humanmedizin auf mindestens 17 000 pro Jahr zu erhöhen – so viele habe es deutschlandweit vor der Wiedervereinigung gegeben. Im vergangenen Jahr seien nur 10 750 Plätze für Studienanfänger angeboten worden.
Insgesamt geht damit ein weiteres Bundesland mit der Zeit und nimmt sich dem nicht aufzuhaltenden Thema der Digitalisierung und Telemedizin an.

Fazit

Nach unserer Auffassung geht der bayrische Ärztetag einen richtigen und wichtigen Schritt in die Zukunft. Ärzte und andere Leistungserbringer sollten keine Angst vor dem Einsatz telemedizinischer Verfahren haben. Durch die Technik sollen sie nicht ersetzt werden, sondern vielmehr soll die Technik sie ergänzen und moderne Kommunikationswege sollen es ermöglichen, gezielter zu arbeiten und Ressourcen zu schonen. Telemedizin ist die Zukunft.

Für die Akzeptanz und Verbreitung digitaler Medizin ist allerdings von entscheidender Bedeutung, ob der Patient diese annimmt. Gerade die älteren Menschen stehen dem Thema Datenschutz und Persönlichkeitsrechte viel verschlossener gegenüber als das in den anfolgenden Generationen der Fall ist. Nur wenn sich der vor allem ältere Patient darauf verlassen kann, dass die Behandlung mittels moderne Kommunikationswege mindestens genauso gut ist, wie der übliche Gang in die Praxis, wird er diese annehmen. Aus diesem Grund müssen wichtige Rechtsfragen geklärt und Verantwortlichkeiten geregelt werden.

  • Wer ist verantwortlich, wenn die Technik versagt, die Daten unrichtig erfasst oder übermittelt werden?
  • Wie und wann muss der Arzt auf die übermittelten Informationen reagieren und wer haftet, wenn dem Patienten etwas passiert?
  • Wie oft müssen die Gesundheitsdaten durch den Arzt kontrolliert werden?
  • Welche Daten stellt die TI dem behandelnden Arzt zur Verfügung?

Der Medizinbereich ist im Wandel – technisch sowie rechtlich und ist in vielen Bereichen noch nicht abschließend geregelt. Schon heute begleiten wir unsere Mandanten sehr eng, um die Hürden der Digitalisierung sportlich nehmen zu können.